Benennung: 15.03.1960
Begründung: Medizinische Verdienste
Grundlage der kritischen Diskussion
Anbiederung an NS-Staat, Beteiligung an Medizinverbrechen in der NS-Zeit
Umbenennung in Hannover 2015, Diskussionen in Berlin (Charité-Viertel)
Ergebnis: Berufliche Biografie teilweise belastet
Stadtratsbeschluss 2025: Öffentliche Kontextualisierung vor Ort
Ferdinand Sauerbruch
*03.07.1875 Barmen-Wuppertal; †02.03.1951 Berlin
Mediziner, Chirurg
Fazit
- Der Professor der Chirurgie gilt als einer der bedeutendsten und einflussreichsten Operateure des 20. Jahrhunderts.
- Der Mediziner ermöglichte durch sein Druckdifferenzverfahren in der pneumatischen Kammer die Entwicklung der Thoraxchirurgie. Außerdem entwickelte Ferdinand Sauerbruch eine Methode, um nach Armamputationen angelegte Prothesen durch Verbindung mit Muskelstümpfen willkürlich beweglich zu machen.
- Ferdinand Sauerbruch unterstützte das NS-Regime durch öffentliche Auftritte und beteiligte sich mit einem eigenen Schreiben am weltweit verbreiteten Bekenntnis deutscher Hochschulprofessoren zu Adolf Hitler und dem Nationalsozialismus.
- Als Mitglied des Reichsforschungsrats (1933-1945) billigte er zudem ab 1937 Menschenversuche und bewilligte im Jahr 1942 Mittel für Senfgasversuche an KZ-Insassen.
- Spätestens im Mai 1943 habe er zumindest "eingeschränkte Kenntnisse über inhumane Menschenversuche an polnischen Frauen, die mit Gasbrand-Erregern infiziert wurden" erlangt.
Eine historische Kommission der Stadt Hannover kam 2015 zu dem Schluss, dass er „aktiv die Taten des NS-Unrechtssystem unterstützte“ und empfahl daher die Umbenennung einer nach ihm benannten Straße in Hannover.
Literatur
Eckart, Wolfgang U.: Ferdinand Sauerbruch – Meisterchirurg im politischen Sturm. Wiesbaden 2016
Hauptmann, Jörg: Ferdinand Sauerbruch und das Dritte Reich. Plädoyer für eine differenzierte Betrachtung. PDF-Dokument, 2021