Benennung: 07.05.1971
Begründung: Benennung einer Straße nach dem Ehrenbürger der Stadt Landau
Verleihung Ehrenbürgerwürde: 05.04.1964
Begründung: „Verdienste um die Wissenschaft und damit auch seiner
Vaterstadt“
Aberkennung der Ehrenbürgerwürde: Stadtratsbeschluss vom 04.06.2024
Grundlage der kritischen Untersuchung
Rassismus, Kolonial-Revisionismus, Anbiederung an NS-Staat
Ergebnis: Berufliche Biografie erheblich belastet
Vorschlag der Verwaltung 2022: Umbenennung der Kohl-Larsen-Straße
Stadtratsbeschluss 2024: Umbenennung der Kohl-Larsen-Straße in Maria-Sibylla-Merian-Straße
Bürgerentscheid 2025: Beibehaltung der Kohl-Larsen-Straße
Ludwig Kohl-Larsen
*05.04.1884 als Ludwig Kohl in Landau in der Pfalz; †12.11.1969 in Thumen, Sigmarszell Mediziner, Forschungsreisender
Studium der Medizin in München, Freiburg und Innsbruck
Eintritt in Kolonialdienst danach Regierungsarzt in den deutschen Südseebesitzungen
Ab 1916: Militärarzt bei Feldzügen in Mesopotamien und Persien
Seit 1913: Verheiratet mit der Norwegerin Margit Larsen, nach dem Ersten Weltkrieg als Arzt in Norwegen tätig
Diverse Expeditionen: 1911/12 als Schiffsarzt Teilnehmer einer Südpolarexpedition, 1923 mit dem Expeditionsschiff „Sir James Clark Ross“
erneute Südpolexpedition, 1928/29 Expedition zur Insel Südgeorgien, dort spätere Benennung eines Eisplateaus nach ihm: Kohl-Plateau 1931: Luftschiffexpedition in die Arktis
1932/33: Kaffee-Pflanzer in Ostafrika, Hinwendung zu ethnologischen Forschungen in Afrika
1934–1936 und 1937–1939: Expeditionen nach Afrika, im einstmaligen Deutsch-Ostafrika auf der Suche nach dem Urmenschen. Ausgrabungen, u. a. Funde von Schädel-Fragmenten früher Homo-erectus-Gruppe, Steinwerkzeugen, Höhlenmalereien
1938/39: Entdeckung der ersten Knochenfunde des Australopithecus afarensis in Laetoli in Tansania
1939: Rückkehr nach Deutschland und Ernennung zum Honorarprofessor an der Universität Freiburg
1941–1945: Außerordentliche Professur für Völkerkunde an der Universität Tübingen
1942: Einberufung zur Wehrmacht (zunächst als Arzt in Griechenland stationiert); es gelingt ihm jedoch, einen Forschungsauftrag in Nordnorwegen durchzusetzen.
Verletzung bei Unfall und Rückkehr 1944 nach Thumen (Kreis Lindau)
Juli 1945: Suspendierung vom Universitätsdienst im Zuge der Entnazifizierung
1947: Nach erstem Entnazifizierungsverfahren wird ihm die Tätigkeit als Kulturschaffender verwehrt.
Widerspruch und Einstufung als „Mitläufer“ im zweiten Verfahren
Mitgliedschaft im „Verband der nicht-amtierenden (amtsverdrängten) Hochschullehrer“, Lobby für politisch belastete Hochschullehrer
1949: Ruhestand
1953: Verleihung der akademischen Rechte eines Emeritus
Mitgliedschaften in der NSDAP
Ab 01.11.1930: Parteimitglied der NSDAP
Ab 01.11.1930: SA-Mitglied
1937: Obersturmbannführer in der SA-Standarte 114 Konstanz
01.01.1938: Beförderung zum Standartenführer
09.11.1942: Beförderung zum Oberführer
Fazit
Vor allem während seiner Afrika-Reisen in der NS-Zeit stellte er sich auch optisch als Verfechter nationalsozialistischer Gesinnung dar. In einigen Briefen bekannte er, die NSDAP-Auslandsorganisation im englischen Mandatsgebiet Tanganyika, der ehemaligen Kolonie Deutsch-Ostafrika, mitbegründet zu haben.
Im Entnazifizierungsverfahren ließ er diese Aktivitäten unerwähnt und stellte sich lediglich als „Mitläufer“ dar.
Die Ernennung zum Außerordentlichen Professor für Völkerkunde an der Universität Tübingen im Jahr 1941 diente den außenpolitischen Zielen einer NS-Afrikapolitik, die in einer kurzen Zeitspanne ein Wiederaufleben deutscher kolonialer Interessen zum Ziel hatte.
Nun publizierte Kohl-Larsen u.a. auch in der „Zeitschrift für Kolonialismus“ und offenbarte sich als Kolonial-Revisionist mit deutlichen rassistischen Bezügen zu indigenen Völkern in Afrika.2
Literatur
Quellen:
Berlin Document Center, Dossier Kohl-Larsen
Stadtarchiv Landau, ZGS S1-Kohl-Larsen
Stadtarchiv Landau: Nachlass Kohl-Larsen
Kohl-Larsen, Ludwig: Auf den Spuren des Vormenschen. Forschungen, Fahrten und Erlebnisse in Deutsch-Ostafrika. Erster Band, Stuttgart 1943.
Kohl-Larsen, Ludwig/Kohl-Larsen, Margit: Die Bilderstraße Ostafrikas. Felsbilder in Tanganyika. Eisenach 1958.
Sekundärliteratur:
Hauck, Gerhard: Der „Forscher“ mit der Nilpferdpeitsche. In: Die Rheinpfalz, Nr. 54 vom 04.03.2020.
Martin, Michael: Süchtig nach Reisen. Arzt, Paläontologe und Forschungsreisender Ludwig Kohl-Larsen vor 50 Jahren gestorben. In: Die Rheinpfalz, Nr. 262 vom 12.11.2019.
Mischek, Urban: Das Völkerkundliche Institut der Universität Tübingen während des Nationalsozialismus. In: Wiesing, Urban u. a. (Hrsg.): Die Universität Tübingen im Nationalsozialismus. Stuttgart 2010, S. 304–320.
Renner, Erich (Hrsg.): Ludwig Kohl-Larsen. Der Mann, der Lucy’s Ahnen fand. Lebenserinnerungen und Materialien. Landau/Pfalz 1991.
Renner, Erich: Ludwig Kohl-Larsen – zur Frage von Schuld und Sühne. In: Streck, Bernhard (Hrsg.): Ethnologie und Nationalsozialismus. Gehren 2007, S. 115–125.
Volprecht, Klaus: Rezension zu „Kohl-Larsen, Ludwig: Der Mann, der Lucy’s Ahnen fand. Lebenserinnerungen und Materialien. Hrsg. v. Erich Renner. Landau/Pfalz: Pfälzische Verlagsanstalt 1991“. In: Zeitschrift für Ethnologie 116 (1993), S. 291 f.
Fußnoten
In: Völkischer Beobachter vom 03.10.1937
Kohl-Larsen, Ludwig: Auf den Spuren des Vormenschen. Stuttgart 1943, S. 36 f.