Benennung: 10.05.2011
Begründung: „Dr. Hans Stempel (08.07.1894 - 02.11.1970), evangelischer Pfarrer und Dekan in Landau von 1934 bis 1948, Kirchenpräsident von 1948 bis 1964, 1950 Mitbegründer des Deutsch-Französischen Bruderrates“
Grundlage der kritischen Untersuchung
Politisches Engagement und Lobbyarbeit für Hafterleichterungen und vorzeitige Amnestierungen im Ausland verurteilter prominenter deutscher NS-Kriegsverbrecher nach 1945
Ergebnis: Berufliche Biografie erheblich belastet
Vorschlag der Verwaltung 2022: Umbenennung der Hans-Stempel-Straße
Stadtratsbeschluss 2024: Umbenennung der Hans-Stempel-Straße in Margot-Stempel-Lebert-Straße
Bürgerentscheid 2025: Beibehaltung des Straßennamens und öffentliche Kontextualisierung
I. Ausgangslage
Am 27.09.2016 wandte sich ein Bürger aus Annweiler an das Stadtarchiv mit der Anfrage, warum die Stadt Landau eine Straße nach Hans Stempel benannt habe.
Das Telefonat bezog sich auf einen „Rheinpfalz“-Artikel vom 15.08.2015,1 in dem das Engagement des früheren evangelischen Kirchenpräsidenten Hans Stempel für die Haftentlassung des früheren Lagerkommandanten des KZ Natzweiler-Struthof Hans Hüttig thematisiert wurde.
Hans Hüttig war am 02.07.1952 vom französischen Militärgericht in Metz zu lebenslanger Haft verurteilt worden. 1956 wurde Hüttig vorzeitig entlassen und verbrachte seinen Lebensabend unbehelligt in Wachenheim an der Weinstraße, Hüttig starb im Jahr 1980.
In dem Telefonat wurde die Erwartung zum Ausdruck gebracht, dass die Stadt Landau dazu Stellung beziehe, verbunden mit dem Ziel, die Straßenbenennung rückgängig zu machen.
Es wurde vereinbart, dass die in dem Artikel genannten Hintergründe recherchiert und dann dem Stadtvorstand vorgestellt werden.
Am 12.01.2017 fand eine gemeinsame Besprechung des damaligen OB Thomas Hirsch und
BGM Dr. Ingenthron mit dem Kirchenpräsident Christian Schad, Dekan Volker Janke und der Leiterin des StA Landau Christine Kohl-Langer statt.
Ergebnis dieses Gespräches war die Zusage von Kirchenpräsident Schad, dass die Evangelische Kirche der Pfalz die Biografie von Hans Stempel wissenschaftlich aufarbeiten lassen würde.
Der Historiker Dr. John Nicholas Williams wurde damit beauftragt. Die entsprechende Studie wurde nun im März 2023 im Kohlhammer Verlag verlegt und wird am 12.06.2023 der Öffentlichkeit vorgestellt.
Sobald das Thema „Die Kirchen und verurteilte NS-Täter in der frühen Bundesrepublik “ in der jüngeren Vergangenheit wissenschaftlich und publizistisch aufgegriffen wurde, wurde das Handeln der Kirchen und auch stets das persönliche Engagement von Hans Stempel für verurteilte NS-Täter thematisiert und als aktives politisches Handeln eingeordnet.2
Seit 2017 wurde nun dessen Engagement in weiteren Untersuchungen wissenschaftlich
bearbeitet.
Die vorliegende Handreichung fasst die bislang vorliegenden Ergebnisse zusammen, stellt
Themenbereiche mit besonderem Bezug zur Landauer Stadtgeschichte heraus und gibt eine Empfehlung zum weiteren Vorgehen einer möglichen Umbenennung der Landauer Hans-Stempel-Straße.
II. Die Straßenbenennung nach Hans Stempel in Landau in der Pfalz
Am 10.05.2011 beschloss der Hauptausschuss die Benennung von 16 neuen Straßen im
„Wohnpark am Ebenberg“, darunter auch eine Hans-Stempel-Straße.
In der Begründung wird folgendes ausgeführt:
„Dr. Hans Stempel (08.07.1894-02.11.1970), evangelischer Pfarrer und Dekan in Landau von 1934 bis 1948, Kirchenpräsident von 1948 bis 1964, 1950 Mitbegründer des Deutsch-
Französischen Bruderrates“.
Man bezog sich bei der Benennung auf einen Antrag der CDU-Fraktion aus dem Jahr 1998.
Der Wohnpark am Ebenberg
Der Taufbezirk:
Ausdrückliche Benennung nach Landauer Personen des öffentlichen Interesses, die die Entwicklung der Stadt Landau in herausragender Weise beförderten.
Erinnerung an und Ehrung für Landauer und Landauerinnen, die sich für eine demokratisch-freiheitliche Entwicklung der Stadtgesellschaft einsetzten, und sie politisch, sozial und kulturell beförderten.
Weitere Namensträger und Namensträgerinnen:
Fanny Becht, Michel Bréal, Marianne Carré, Georg Friedrich Dentzel, Heinrich Diehl, Emma Geenen, Theodor Graf Fugger von Glött, Paul Henri Thiry d'Holbach, Richard Joseph, Otto Kießling, Philipp Jakob Siebenpfeiffer, Fritz Siegel, Heinrich Stützel, Viktor Weiss, Johann Georg August Wirth
III. Biografie Hans Stempel
Hans Stempel
*08.07.1894 Steinwenden; †02.11.1970 Landau in der Pfalz
1913 Studium Geschichte, Germanistik und Philosophie in Straßburg
1914 Kriegsfreiwilliger im Ersten Weltkrieg, starke Kriegsverwundung, bis 1917 Kriegsgefangenschaft in Frankreich, Internierung in der Schweiz
Ab 1918 Studium Geschichte, Germanistik und Philosophie in Marburg
1919 Studium der Theologie in Heidelberg
1920 Ungeklärte Beteiligung als Mitglied des deutschnational ausgerichteten Marburger Studentenfreikorps an Kämpfen gegen aufständische Arbeiter in Thüringen
Aussage Stempels: "Ich war vom Herbst 19 an bis Sommer 21 Student in Heidelberg.
Zwischendurch im Jahre 1920 meldete ich mich trotz meiner schweren Verwundung aktiv bei dem Freikorps: Marburger Studentenkorps, um gegen den bolschewistischen Aufruhr in Thüringen zu kämpfen. Infolge einer an meinem kriegsgelähmten Fuß zugezogenen Verletzung musste ich bald darauf wieder ins Lazarett abgeschleppt werden und war genötigt bis in den Sommer 20 hinein nach meiner Entlassung aus dem Lazarett an Krücken zu gehen."3
1921 Abschluss des Theologiestudiums
1921-1926 Pfarrverweser und Pfarrer in Oppau
1926-1933 Direktor des Predigerseminars in Landau
21.03.1933: Am Tag von Potsdam hielt Stempel in der Landauer Stiftskirche „einen besonderen Gottesdienst aus Anlass des 3. Reiches“ und er hielt „mit dem vollen Einsatz seiner Persönlichkeit eine ergreifende Predigt, in der er den neuen Staatsgedanken vom Standpunkt der Kirche her bejahte und untermauerte“.4
26.05.1933: Rede zur Einweihung des Schlageter-Denkmals in Landau, Redner bei politischen Feiern und nationalsozialistischer Heldenehrungen5
1933-1945 NS-Mitgliedschaften: Förderndes Mitglied in der SS (1933-1937), Kampfbund für deutsche Kultur und der Westmark, NS-Kulturgemeinde, Reichsbund der Kinderreichen, Nationalsozialistische Kriegsopferversorgung der Verwundeten des Ersten Weltkrieges, u.a. NS-Organisationen6
1933-1934 Pfarrvikar in Landau
03.09.1934 Mitbegründer und Vorsitzender der Pfälzischen Pfarrbruderschaft
Die pfälzische Pfarrbruderschaft war angetreten, um der Eingliederung der pfälzischen Landeskirche in die Reichskirche Widerstand entgegenzusetzen. Sie kooperierte jedoch bald mit der deutschchristlich dominierten Landeskirchenleitung und verhielt sich zum nationalsozialistischen Staat loyal. Nach 1945 eignete sie sich, mit zunehmendem zeitlichem Abstand umso mehr, den Nimbus an, Teil der Bekennenden Kirche und insofern Unterdrückungsobjekt gewesen zu sein.7
1934-1946 Pfarrer in Landau
Ab 1935: Zahlreiche Artikel für das von Stempel herausgegebene Soldatenblatt „Wehrhaft und fromm“, Verherrlichung des Heldentodes der Frontkämpfer8
In der ersten Ausgabe von „Wehrhaft und fromm“ erklärte Stempel, die „alten Kameraden aus den Schützengräben“ würden mit diesem Blatt „ein heiliges Vermächtnis“ erfüllen „von deutschen Soldatenbrüdern, denen der Glaube an den lebendigen Gott die Kampfkraft fürs Vaterland wie mit Glut gehärtet hat, die auch in Stahlgewittern, im rasenden Orkan der Granaten aufrecht und getrost blieben, weil Gottes Hand sie hielt“. Ein wesentliches Motiv, das der Herausgabe dieser Broschüre zugrunde lag, bestand darin, »einen Beitrag zur innersten Wehrhaftmachung unserer Soldaten [zu] leisten«9.
1937: Befragung Stempels durch GESTAPO Neustadt wegen Herausgabe des Soldatenbriefs „Wehrhaft und Fromm“, da er nicht in eine genehmigte Schriftleiterliste eingetragen war.
Das Verfahren wurde nach einem halben Jahr eingestellt.
März 1936: Einzug deutscher Soldaten in Landau: Hans Stempel: „Höhepunkt nationalen und städtischen Erlebens“, vergleichbar dem Kriegsbeginn 1914 und den „Frühjahrstagen vom Jahre 1933“10
Ab Oktober 1938 Stellvertretender Militärseelsorger am Standort Landau und Übernahme der Wehrmachts- und Lazarettseelsorge im Nebenamt ab Kriegsbeginn
1945 Ablehnung der Teilnahme als Kommissionsmitglied der Entnazifizierungskommission in Landau
„Diese rein politische Funktion kann und darf nicht Aufgabe des Pfarrers sein“. Gleichzeitig bemühte er sich um die Freilassung gefangener Soldaten und stellte serienweise sog. „Persilscheine“ aus.11
1945: Hans Stempel beantwortetet bei der kircheninternen Entnazifizierung die Fragen nach Zugehörigkeit zur NSDAP oder ihren Gliederungen zweimal mit „nein“.12
Ab 1945 Betreuung der NS-Internierten im Lager Landau, Fort-Kaserne
Ab 1945 nach Kriegsende seelsorgerliche Besuche auf ausdrücklichen Wunsch französischer Geistlicher in französischen Kriegsgefangenenlagern
1946-1948 Präses der Evangelischen Kirche der Pfalz
1947-1970 Betreuung verurteilter NS-Täter in Frankreich und in den Niederlanden, gemeinsam mit Pfarrer Theodor Friedrich betreute Stempel mehr als 230 verurteilte NS-Täter in französischen, belgischen und niederländischen Gefängnissen.
1948-1964 Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche der Pfalz, Wiederherstellung funktionsfähiger kirchlicher Strukturen, Ehrendoktorwürde der Universität Gießen und der Faculté de théologie protestante in Paris, Aufbau intensiver Kontakte zu evangelischen Partnerkirchen in Frankreich, in England und den Niederlanden, anerkannter Seelsorger
Seit 1953-1964 Vorstandmitglied in der Organisation „Stille Hilfe für Kriegsgefangene und Internierte e.V.“, Verein zur Unterstützung ehemaliger SS-Angehöriger und wegen
Verbrechen in der Zeit des Dritten Reiches Verurteilter
1956: Großes Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland
1964: Offiziersorden der französischen Légion d’Honneur aufgrund seiner Bemühungen um die Versöhnung mit Frankreich
Oktober 1970: Letzter Besuch der in den Niederlanden inhaftierten deutschen NS-Täter im Gefängnis von Breda. Welcher Art sein Engagement bei diesem Besuch war, ist zurzeit nicht nachvollziehbar.
Hans Stempel erkrankte bei dieser Reise und starb am 02.11.1970 an einer Lungenentzündung in Landau.
IV. Hans Stempel und die „Stille Hilfe für Kriegsgefangene und Internierte“
„Seit 1951 besteht in der Bundesrepublik Deutschland eine Vereinigung „Stille Hilfe für
Kriegsgefangene und Internierte. E.V.“ (…). Sie befasst sich überwiegend mit der Betreuung von inhaftierten NS-Gewaltverbrechern und ihrer Angehörigen im In- und Ausland.“13
Die „Stille Hilfe für Kriegsgefangene und Internierte“ ist eine 1951 von Helene Elisabeth von Isenburg gegründete Hilfsorganisation, die vor allem durch Verharmlosung der NS-Taten und ihre Unterstützung von NS-Tätern in die Kritik geriet und von Beginn an personell stark NS belastet war.
In der Öffentlichkeit trat der Verein kaum auf, der sich für Hafterleichterungen und Haftentlassungen verurteilter NS-Kriegsverbrecher einsetzte, diese Organisation existiert
möglicherweise noch heute.14
Mitglieder waren ehemalige hochrangige SS-Offiziere, wie zum Beispiel Heinrich Malz, Obersturmbannführer und persönlicher Referent von Ernst Kaltenbrunner, der ab 1943 als Vollstrecker der sogenannten „Endlösung der Judenfrage“ bezeichnet werden kann.
Ab 1951 Erste Kontakte Hans Stempels zur „Stillen Hilfe“
Oktober 1951 Stempel zu Besuch in Ebenhausen bei München, dem damaligen Sitz der „Stillen Hilfe“
Zunächst keine institutionelle Einbindung in den Verein, aber freundschaftliche Kontakte
August 1952: Nach Tod von Theophil Wurm wurde Stempel von Isenburg Vorstandssitz in
der „Stillen Hilfe“ angeboten
Wahl erfolgte in Stempels Abwesenheit, es ist ungeklärt, ob er davon wusste, womöglich
keine vorherige Absprache mit Stempel, die Organisation suchte prominente, nicht belastete Mitstreiter15
April 1953: Dank Isenburg an Stempel für Zustimmung der Aufnahme in das Präsidium der „Stillen Hilfe“
Ab 1953 ist Hans Stempel Vorstandsmitglied in der „Stillen Hilfe“ und gleichzeitig Beauftragter der EKD für die „Seelsorge an deutschen Kriegsverurteilten in ausländischem Gewahrsam“.
Hans Stempel blieb im Hintergrund, keine öffentlichen Äußerungen zugunsten der „Stillen Hilfe“, auch kein Engagement im Verein, kein Interesse an öffentlichen politischen Bekundungen und Aktionen des Vereins, keine Besuche der Hauptversammlungen in den 1950er-Jahre
Januar 1960: Hans Stempel gibt bekannt, dass er nicht mehr für das Präsidium der „Stillen
Hilfe“ zur Verfügung steht.
November 1964: Hans Stempel wird nicht mehr als Vorstandsmitglied im Präsidium der „Stillen Hilfe“ aufgeführt.
Fazit
Nach wie vor ist die Quellenlage zum Engagement von Hans Stempel in der „Stillen Hilfe“ unbefriedigend, da die Vereinsunterlagen nicht einsehbar sind.16
Deutlich wird, dass Hans Stempel kein Interesse an einer offiziellen Unterstützung und Mitarbeit der offen revanchistisch und vergangenheitsideologisch agierenden Organisation hatte, zumal er das öffentliche Agieren der Gründungsvorsitzenden von Isenburg als wenig hilfreich einschätzte. Ein offenes Agieren im Dunstkreis dieser Vereinigung alter Kameraden, deren Mitgliedschaft sich aus Veteranen der Waffen-SS rekrutierte, schien für den Kirchenmann Stempel wenig erfolgversprechend und eher hinderlich für ein behutsames, diplomatisches Vorgehen auf internationaler Ebene.17
Dennoch stellt sich die Frage, warum und aus welcher Motivation heraus, Hans Stempel diesem Verein über zehn Jahre, in welcher Form auch immer, zugewandt blieb und einer
Präsidiumsmitgliedschaft nicht vehementer entgegentrat und sie wohl billigend in Kauf nahm.
Es spricht vieles dafür, dass man voneinander profitierte: Die „Stille Hilfe“ suchte immer nach prominenten Personen, die die angebliche Untadeligkeit des Vereins nach außen dokumentieren sollten.18 Die Kirchen, und hier in persona Hans Stempel, erhofften sich diskrete Unterstützung durch ein mehr als zweifelhaftes Netzwerk und möglicherweise auch finanzielle Zuwendungen für das unterstützende Engagement für verurteilte NS-Täter und ihre Familien.19
Für dieses doch ausnehmend opportunistische Handeln spricht auch, dass sich die Kirchen mit dem Ende der großen Kriegsverbrecherprozesse und der Entlassung des letzten, in Landsberg einsitzenden, NS-Täters im Jahr 1958 weitgehend aus der „Stillen Hilfe“ zurückzogen und Hans Stempel endgültig nun 1964 nicht mehr als Präsidiumsmitglied geführt wurde.
V. Hans Stempel und die Unterstützung für NS-Täter
Hans Stempel führte die Bezeichnung „Ratsbeauftragter der EKD für die Betreuung der Kriegsverurteilten“, wofür er, zumindest laut der EKD-Ratsprotokolle aus den Jahren 1945-1955, kein offizielles Mandat führte. Er führte dieses Amt zumindest mit stillschweigender Billigung des Rates der EKD aus. Ab 1953 ist Hans Stempel inoffizieller Beauftragter der EKD für die „Seelsorge an deutschen Kriegsverurteilten in ausländischem Gewahrsam“.20
Zu den Personen, für die sich Hans Stempel als Bevollmächtigter der EKD einsetzte, gehörten Verantwortliche und Beteiligte an den Massakern in Ascq und Oradour-sur-Glane, Kommandanten und Wachleute der KZ Natzweiler-Struthof und Schirmeck, für Menschenversuche verantwortliche Mediziner sowie Verantwortliche für Massendeportationen von Juden in Frankreich und den Niederlanden.
Das Engagement für die im folgenden aufgeführten NS-Täter dient als Beispiel für das überdurchschnittliche politische Engagement, das Hans Stempel für die Amnestierungen der Verurteilten aufwandte.
Als besonders irritierend erscheint dabei die Tatsache, dass jene Männer sich zu keiner Zeit als schuldig ansahen, sich vielmehr als Opfer einer „Siegerjustiz“ gerierten und zum Teil maßlose Forderungen an ihren Beistand Hans Stempel richteten, die dieser stets dienstbereit aufnahm und weiterleitete.
Besondere Unterstützung durch Hans Stempel (Beispiele)
Herbert Kappler, geboren 1907 in Stuttgart, trat 1931 der NSDAP bei und begann
1933 eine Laufbahn bei der Polizei. Sie führte ihn zum Sicherheitsdienst des Reichsführers SS, einer parteiinternen Geheimpolizei, die eng mit der Gestapo zusammenarbeitete.
Ende September 1943 organisierte der inzwischen zum SS-Obersturmbannführer avancierte Kappler dort zunächst die erpresserische Beschlagnahme von jüdischem Besitz und kurz darauf die Deportation von über 1.000 jüdischen Bewohnern in das Vernichtungslager Auschwitz. Als im März 1944 Partisanen in der Via Rasella ein Attentat auf eine vorbeimarschierende Kompanie des SS-Polizeiregiment „Bozen“ verübten, bei dem 33 aus Südtirol stammende Polizisten starben, leitete er auf Anordnung der militärischen Führung eine Aktion zur Vergeltung des Anschlags.
Dabei wurden 335 italienische Geiseln, darunter auch viele Juden, in den Ardeatinischen Höhlen erschossen. Kappler und andere SS-Offiziere ermordeten die ersten Geiseln mit Genickschüssen selbst.
Um eine Amnestie zu erreichen, suchte Stempel den ökumenischen Austausch auf höchster Ebene. 1970 gelang ihm sein größter Erfolg: ein überkonfessionelles Gnadengesuch für Kappler, unterzeichnet von elf katholischen und evangelischen Bischöfen und Honoratioren.
an den italienischen Staatspräsident Saragat.21
Im August 1943 war im KZ Natzweiler-Struthof eine Gaskammer für medizinische Menschenversuche in Betrieb genommen worden. Bickenbach und sein Assistent Helmut Rühl führten von Juni bis August 1944, nach einer Versuchsreihe im Sommer 1943, in dieser Gaskammer Giftgasversuche mit Phosgen durch. Mehr als 50 Häftlinge, hauptsächlich damals als solche bezeichneten Zigeuner, die für medizinische Versuche aus dem KZ Auschwitz nach Natzweiler-Struthof verlegt worden waren, wurden im Zuge dieser Versuche ermordet.
Nach Kriegsende wurde Bickenbach 1947 festgenommen und nach Frankreich überstellt. Zusammen mit seinem Straßburger Kollegen Eugen Haagen wurde er von einem französischen Militärgericht in Metz 1952 aufgrund des „Verbrechens der Anwendung gesundheitsschädlicher Substanzen und Giftmord“ zu lebenslanger Zwangsarbeit verurteilt. Im Januar 1954 wurde das Urteil seitens eines Pariser Militärgerichts aufgehoben.
In einem weiteren Prozess im Mai 1954 vor einem Militärgericht in Lyon wurden Bickenbach und Haagen schließlich zu zwanzig Jahren Zwangsarbeit verurteilt. 1955 kamen beide im Rahmen einer Amnestie frei. Bickenbach führte anschließend als Internist eine Arztpraxis in Siegburg. Das Berufsgericht für Heilberufe in Köln kam 1966 zu der Einschätzung, Bickenbach habe durch seine Beteiligung an den Versuchen in den Konzentrationslagern seine Berufspflichten nicht verletzt.
In einem Briefwechsel im Dezember 1961 nimmt er „den Freund“ in Schutz und schreibt: „Bickenbachs Handeln, um nur das vorwegzunehmen, kann viel eher als
Kampf gegen Kriegsverbrechen angesehen werden als umgekehrt.“22
Willy Lages: Zuständig für die Deportation u.a. der Familie Frank aus Amsterdam nach Auschwitz.
An ihnen bzw. an ihrer möglichen Freilassung entzündeten sich immer wieder heftigste Diskussionen in den Niederlanden, bei denen die Fragen von Schuld, Versöhnung und möglicher eigener Verstrickung – teilweise äußerst emotional – diskutiert wurden.
Die „Vier von Breda“ sowie die Ersuchen der Bundesregierung um deren Freilassung, waren auch eine Belastung für das deutsch-niederländische Verhältnis der Nachkriegszeit, wobei der deutschen Politik und der deutschen Gesellschaft von niederländischer Seite mangelnde Sensibilität vorgeworfen wurde. Die Diskussionen dauerten bis zur Freilassung der verbliebenen „Zwei von Breda“ im Januar 1989, 44 Jahre nach Kriegsende, an.
Häufige Besuche von Hans Stempel, vor allem zu Ostern und Weihnachten24, zahlreiche Briefe, Bittschriften, Petitionen etc. an westdeutsche und niederländische Minister, an Bundespräsident Lübke oder Königin Juliana.
Argumentation Stempels:
Die letzten verurteilten deutschen Kriegsverbrecher in den Niederlanden dienten als Symbolfiguren, die ihre Strafe stellvertretend für alle von den Deutschen im Zweiten Weltkrieg verübten Kriegsverbrechen zu büßen hätten. Durch diese Stilisierung zu politischen Häftlingen konnte die individuelle Schuld ausgeklammert werden. Zudem, so Stempel, seien die Häftlinge geläutert und eine Resozialisierung, je länger die Haft andauere, immer schwieriger.25
Im September 1970 reiste Hans Stempel zum letzten Mal nach Breda, um die Verurteilten zu besuchen. Welcher Art sein Engagement bei diesem Besuch war, ist zurzeit nicht nachvollziehbar.
Hans Stempel erkrankte bei dieser Reise und starb wenige Tage später in Landau.
In der Gruppe der von Hans Stempel und anderen betreuten NS-Täter sind Helmut Knochen und Carl Oberg besonders hervorzuheben, da sie innerhalb der NS-Hierarchie im besetzten Frankreich besonders hohe Posten einnahmen und ihre Betreuung besonders zeitintensiv war und sie für die Deportation auch der südpfälzischen und Landauer Juden und Jüdinnen aus Frankreich in die Vernichtungslager im Osten Europas verantwortlich waren.26
Carl Oberg
Am 5. Mai 1942 wurde er als Höherer SS- und Polizeiführer (HSSPF) nach Paris in das besetzte Frankreich versetzt. Nach Amtseinführung durch Reinhard Heydrich persönlich trat er das Amt des HSSPF am 1. Juni 1942 an. Er bekämpfte dort vor allem die Résistance, auch durch Geiselerschießungen.
Oberg war an exponierter Stelle an der „Endlösung der Judenfrage“ beteiligt und führte den „Gelben Stern“ in Paris ein; etwa 75.000 Juden wurden durch ihn und seine Mitarbeiter in die Vernichtungslager deportiert. Oberg wurde im August 1944 zum SS-Obergruppenführer und General der Polizei befördert. Er trug für die Franzosen den Beinamen „Der Schlächter von Paris“.
Er war im Januar 1943 aktiv an der Zerstörung der Altstadt von Marseille und der anschließenden Deportation von Hunderten von Juden und anderen Franzosen in die Vernichtungslager beteiligt.
Unter den damals über Drancy bei Paris in die Vernichtungslager im Osten verschleppten Juden befanden sich mindestens 334 der über 800 Personen, die am 22.10.1940 aus der Pfalz nach Gurs deportiert worden waren.
Bei Kriegsende wurde Oberg von Angehörigen der US-Armee in einem Tiroler Dorf gefangen genommen. Oberg wurde 1946 zunächst in Wuppertal zum Tode verurteilt, dann aber am 10. Oktober 1946 nach Frankreich verbracht und am 9. Oktober 1954 in Paris wegen Kriegsverbrechen erneut zum Tode verurteilt. Am 20. April 1958 wurde sein Todesurteil auf lebenslange Haft reduziert und Oberg am 28. November 1962 freigelassen. Danach lebte er in Flensburg, zu dieser Zeit eine Hochburg ehemaliger Nationalsozialisten und SS-Kader.
Dr. Helmut Knochen (1910–2003), Anglist; 1932 NSDAP-, 1936 SS-Eintritt, 1932–1936 SA; von 1936 an hauptamtlicher Mitarbeiter des SD, 1940–1942 Leiter der Pariser Dienststelle des Beauftragten des Chefs der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes für Belgien und Frankreich, Mai 1942 bis August 1944 Befehlshaber der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes in Frankreich, 1944 Waffen-SS; 1945 verhaftet, 1954 in Paris zum Tode verurteilt, begnadigt und 1962 entlassen, danach Versicherungsmakler in Offenbach.
Helmut Knochen, Leiter der Sicherheitspolizei in Frankreich, war zusammen mit seinem Vorgesetzten Carl Oberg verantwortlich u.a. für die Deportation französischer und deutscher Juden.
Knochen und Oberg wurden im Oktober 1954 in Frankreich zum Tode verurteilt.
1958 Umwandlung in lebenslange Haftstrafe, auch zahlreiche Gnadengesuche von Hans Stempel.
1962 Freilassung von Helmut Knochen und Carl Oberg.
VI. Landau und der Nationalsozialismus: Hans Stempel, Fritz Siegel und Richard Joseph
Im neuen Stadtquartier im Süden der Stadt sind vier Straßen nach Verfolgten des NSRegimes benannt: nach den jüdischen Stadträten Fritz Siegel, Richard Joseph, Victor Weiß und nach dem SPD-Widerstandkämpfer Heinrich Stützel.
Richard Joseph (1882-1942), Weinhändler, Stadtratsmitglied der SPD 1920 bis 1933, erzwungener Rücktritt, Deportation nach Dachau, Flucht nach Mannheim, am 22.10.1940
Deportation nach Gurs, am 10.08.1942 über das Lager Drancy bei Paris Deportation nach
Auschwitz, dort am 31.08.1942 ermordet
Victor Weiss (1868-1942) Ledergroßhändler, Stadtratsmitglied der Deutschen Demokratischen Partei von 1909 bis 1933, erzwungener Rücktritt am 12.03.1933, am 29.07.1942 Flucht in den Tod in Wiesbaden
Fritz Siegel (1908-1978), Ingenieur, Mitglied der SPD, Mitglied im Reichsbanner, Stadtratsmitglied von 1948 bis 1952, 1945 Initiator der Neugründung einer jüdischen Kultusgemeinde in der Pfalz, Deportationen nach Dachau, Buchenwald, Gusen II, Auschwitz und Mauthausen, Flucht nach Frankreich, 1944 Verhaftung in Marseille, Deportation nach Auschwitz, dort wurden seine Frau Elisabeth Levy, seine Tochter Chana und der erst zweijährige Sohn Pierre am 03.06.1944 ermordet.
Siegel überlebte die Shoa und lebte dann bis zu seinem Tod in Landau.
Heinrich Stützel (1899-1951), Schneider, Mitglied der SPD, Mitglied im Reichsbanner, 1933 in sogenannter „Schutzhaft“ in der Fort-Kaserne, im Widerstand, Mai 1934 Asselstein- Treffen der pfälzischen Sozialdemokratie, September 1934 Verhaftung, Mai 1935 Verurteilung zu einer zweijährigen Zuchthausstrafe wegen Hochverrates, danach weiter
schikanöse Behandlung durch die Gestapo, zahlreiche Hausdurchsuchungen und Verhaftungen.
Ergebnis
Angesichts der Tatsache, dass sich die Hans-Stempel-Straße in unmittelbarer Nähe zu Straßen, die nach Landauer NS-Opfer benannt wurden, befindet, soll an dieser Stelle diese Landauer Besonderheit problematisiert werden.
Besonders ist hier zu erwähnen, dass sich Hans Stempel auch für jene Protagonisten nationalsozialistischer Verfolgungs- und Vernichtungspolitik einsetzte, die ihr Handeln auch nach 1945 nicht in Frage stellten:
Karl Oberg, Helmut Knochen und Otto Bickenbach äußerten auch nach ihrer Amnestierung weiterhin offen nationalsozialistisches Gedankengut, sie zeigten keinerlei Reue und präsentierten sich stets als ausschließliche „Befehlsempfänger“ ohne jegliche Verantwortung für ihre Taten.
VII. Fazit und Einschätzung
Blickt man genauer auf Stempels Lebensweg, werden zwei Wirkungsebenen offensichtlich:
Auf der einen Seite steht ein rechtschaffenes Verhalten als evangelischer Seelsorger, Theologe und Kirchenpräsident. Auf der anderen Seite steht jedoch das befremdliche Engagement als politisch agierender Akteur und Lobbyist für verurteilte deutsche NS-Kriegsverbrecher im europäischen Ausland nach 1945.
Als Vertreter der evangelischen Kirche und als Vorstandsmitglied in der bundesweit agierenden „Stillen Hilfe“ e.V., nach seiner Pensionierung, in seiner Freizeit und ehrenamtlich, bemühte er sich um Hafterleichterungen und mit Hilfe von Amnestiegesuchen auch um die Freilassung zum Teil hochrangiger früherer SS-Funktionäre und um ihre Wiedereingliederung in die bundesdeutsche Gesellschaft nach 1945 und betreute mit anderen über 230 verurteile NS-Täter.
Seit Kriegsende bis zu seinem Tod 1970 galt seine Anteilnahme den im Ausland, vor allem in Frankreich, verurteilten NS-Kriegsverbrechern. Fließend ging die Unterstützung Stempels für internierte und Kriegsgefangenen zugunsten von NS-Tätern über.
Aus persönlicher Seelsorge wurde diplomatisches und politisches Engagement. Eine Differenzierung der Kategorien von Gefangenen, Internierten, Kriegsgefangenen und verurteilten Kriegsverbrechern erfolgte nicht.27
Fehlende Distanz, Überidentifikation mit den Tätern und „toxische Seelsorge“ sind hier die Schlagworte, die in der Literatur genannt werden.28
In Pressekampagnen, persönlichen Schreiben, Petitionen, Vorsprachen, offenen Briefen u. v. m. wurden verurteilte NS-Täter auch von Hans Stempel in der Regel als schuldlose Opfer, reine Befehlsempfänger und untadelige und oftmals auch tief gläubige Menschen
dargestellt, die bitteres Unrecht durch die „Siegerjustiz“ erleiden mussten.
Sicher ist festzuhalten, dass Stempels Engagement in den Nachkriegsjahren nicht isoliert
betrachtet werden darf: Weder gab es in der bundesdeutschen Gesellschaft der 1950er- Jahre nennenswerte Antriebe, sich mit der juristischen Aufarbeitung des nationalsozialistischen Unrechts auseinanderzusetzen, noch hatte die deutsche Politik Interesse daran, die neue Partnerschaft, vor allem mit Frankreich, zu gefährden.
Aber die „Kriegsverbrecherhilfe“ der Bundesregierungen seit den 1950er Jahren war auch „das Ergebnis intensiver Lobbyarbeit westdeutscher Unterstützernetzwerke, deren Akteure unablässig für die Freilassung der Häftlinge eintraten“.29
In diesem Lobbynetzwerk spielten die Kirchen und ihre Repräsentanten, und hier in besonderer Weise Hans Stempel, eine entscheidende Rolle: Gerade durch das kirchliche Engagement für verurteilte NS-Täter wurde das politische Agieren der Protagonisten in der Öffentlichkeit als vornehmlich seelsorgerische und damit der realpolitischen Wirklichkeit entzogene theologische Dienstleistung der Kirchen wahrgenommen.
Nur selten wurde thematisiert, dass es doch zumindest befremdlich schien, dass Protestanten und Katholiken nach 1945 sich eher für NS-Täter und weniger für die Opfer der Shoa einsetzten.
In diesem Zusammenhang soll nicht unerwähnt belieben, dass sich Hans Stempel in keiner Organisation für NS-Opfer engagierte, auch wenn er sich 1967/68 für die Errichtung des Synagogen-Denkmals in Landau einbrachte.30 Insofern erscheint Stempels Engagement für verurteilte NS-Täter nicht in dem angemessenen Verhältnis zu den Bemühungen um die Opfer des NS-Regimes zu stehen.
Motivation Stempels
Das Soldatentum war für Stempel, der durch eine schwere Verwundung im Ersten Weltkrieg aller Chancen auf eine militärische Karriere beraubt worden war, ein lebenslanges Leitmotiv. Überzeugung, dass die Verurteilten und Inhaftierten ausschließlich Befehle befolgt hätten und deshalb für Vorgänge büßten, deren Anordnung nicht in ihrem Verantwortungsbereich gelegen habe.
VIII. Empfehlung
Nach heutigem Kenntnisstand würde man in Landau keine Straße mehr nach Hans Stempel benennen.
Die entsprechenden Sachverhalte waren indessen bereits 2011 bekannt und zum Teil aufgearbeitet (siehe Literaturliste). Bereits 1991 hatte der Journalist Ernst Klee die kirchliche Unterstützung für NS-Täter nach 1945 kritisiert und dabei auch die exponierte Rolle von Hans Stempel beschrieben.
Es ist Ausdruck der sich verändernden Wertediskussion in der Bundesrepublik Deutschland, dass nun dieses politische Engagement der Kirche zunehmend in den Fokus gerät und kritisch diskutiert wird.
Das Stadtarchiv empfiehlt die 2011 nach Hans Stempel benannte Straße umzubenennen.
Begründung
Legt man die für die Untersuchung der nach Personen benannten Straßen zugrunde gelegten Kriterien31 an, so ergeben sich folgende Schlussfolgerungen:
Dafür spricht u. a. seine von 1933 bis 1937 dauernde fördernde Mitgliedschaft der SS, zu einer Zeit, in der eben auch ehemalige Freikorpssoldaten, wie Hans Stempel, in dieser elitären Parteiformation die „Tradition echten Soldatentums“ verkörpert sahen.32
Vor allem vor dem Hintergrund, dass alle Landauer weiterführenden Schulen als „Schulen ohne Rassismus – Schulen mit Courage“ in besonderer Weise unsere lokale Erinnerungskultur befördern, erscheint ein Festhalten an einer Hans-Stempel-Straße nicht angemessen.
Vor allem unter Berücksichtigung von Stempels Einsatz für die NS-Täter Oberg und Knochen, die in Frankreich für die Deportation von hunderten südpfälzischer und Landauer Juden und Jüdinnen nach Auschwitz verantwortlich waren, ist die Benennung einer Straße in unmittelbarer Nachbarschaft zur Fritz-Siegel-Straße und Richard-Joseph-Straße unpassend.
IX Literatur
Baginski, Christophe: Freiwillig in Frankreichs Lagern und Gefängnissen: Zum 40.Todestag
von Pfarrer Theodor Friedrich (1899-1961). In: Blätter für pfälzische Kirchengeschichte und religiöse Volkskunde, 68. Jahrgang, 2001, hier besonders S. 71ff.
Bohr, Felix: Die Kriegsverbrecherlobby. Bundesdeutsche Hilfe für im Ausland inhaftierte NS-Täter. Berlin 2018.
Bohr, Felix: Barmherzigkeit für Massenmörder. In: Der Spiegel, 18.10.2018. https://www.spiegel.de/geschichte/ns-verbrecher-die-barmherzige-hilfe-der-kirchen-a- 1233489.html?sara_ref=re-em-em-sh, abgerufen am 04.06.2023.
Brunner, Bernhard: Der Frankreich-Komplex. Die nationalsozialistischen Verbrechen in Frankreich und die Justiz der Bundesrepublik Deutschland. Frankfurt am Main 2007.
Klee, Ernst: Persilscheine und falsche Pässe. Wie die Kirchen den Nazis halfen. Frankfurt am Main 1991, hier: S. 114f, S.130f, S. 146.
Klee, Ernst: Vergebung ohne Reue. In: Die Zeit. 09/1992, vom 21.02.1992.
Kreuter, Marie-Luise: Juden in Landau – Landauer Juden. Zur Geschichte einer Minderheit und ihrer christlichen Nachbarn.“ Landau 2022.
Metzinger, Adalbert: SS-Sturmbannführer Alois Knäbel: Vom Bauernsohn zum Kriegsverbrecher. In: Täter, Helfer, Trittbrettfahrer. In: Proske, Wolfgang (Hg.): Band 7: NS-Belastete aus Nordbaden und Nordschwarzwald, Gerstetten 2017.
Picker, Christof u.a. (Hrsg.): Protestanten ohne Protest. Die evangelische Kirche der Pfalz im Nationalsozialismus. 2 Bände, Speyer 2016.
Pfaff, Ulrich: Rückzugsort Pfalz: In: „Die Rheinpfalz“, vom 15.08.2015
Schröm, Oliver, Röpke, Andrea: Stille Hilfe für braune Kameraden. Das geheime Netzwerk der Alt- und Neonazis. Ein Inside-Report. Berlin 2001.
Schunk, Erich: Landau und die Auseinandersetzung um Hans Stempel. Eine Studie zur Nazifizierung einer städtischen pfälzischen Kirchengemeinde. In: Blätter zur pfälzischen Kirchengeschichte und religiöse Volkskunde. Jg. 79, 2012, S. 205-224.
Schunk, Erich: Biografie Hans Stempel, in: Picker, Christoph u.a. (Hg.): Protestanten ohne Protest. Die evangelische Kirche im Nationalsozialismus. Band 2. Kurzbiographien und Anhang. Speyer 2016, S. 797f.
Vollnhals, Clemens: Evangelische Kirche: Ein Herz für Täter. In Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 03.10.2022.
Williams, John Nicholas u. Picker, Christoph (Hg.): Die Kirche und die Täter nach 1945. Schuld-Seelsorge-Rechtfertigung. Göttingen 2022.
Williams, John Nicholas: „Die Gefangenen leiden sehr unter ihrer Lage“. Die Betreuung
deutscher NS-Täter durch Hans Stempel und Theodor Friedrich. Stuttgart 2023.
Fußnoten
1 Pfaff, Ulrich: Rückzugsort Pfalz. In: „Die Rheinpfalz“ vom 15.08.2015.
2 Klee, Ernst: Vergebung ohne Reue. In: Die Zeit. 09/1992, vom 21.02.1992.
3 Gestapo-Verhör Hans Stempels am 1937, Landesarchiv Speyer, Bestand H91
4 Landauer Anzeiger vom 22.03.1933; ZASP Abt. 8, Nr. 136 Landau, Jahresbericht 1933
5 Stempel, Hans: Albert Leo Schlageter zum Gedächtnis. Ansprache bei der Weihe des Schlageter-Denkmals in Landau. In: Landauer Anzeiger, 27.05.1933.
6 Vgl. Schunk, Erich: Biografie Hans Stempel, in: Picker, Christoph u.a. (Hg.): Protestanten ohne Protest. Die evangelische Kirche der Pfalz im Nationalsozialismus. Band 2. Kurzbiographien und Anhang. Speyer 2016, S. 797.
7 Vgl. zur Neubewertung der Pfälzischen Pfarrbruderschaft: Schunk, Erich: Die pfälzische Pfarrbruderschaft und der Nationalsozialismus. In: Williams, Nicholas John/Picker, Christoph (Hrsg.): Die Kirche und die Täter nach 1945. Schulde-Seelsorge-Rechtfertigung. Göttingen 2022. S. 39-56. Zit. als Williams, Picker Auch: ttps://doi.org/10.13109/9783666554605 | CC BY-NC-ND 4.0
8 Wehrhaft und fromm: Briefe an die kämpfende Mannschaft / Hrsg.: Verein zur Förderung der Evangelischen Mission in der Pfalz. [1.]1935 - [5.]1939; 6.1940 - 7.1941, 5; damit Erscheinen eingestellt. Jahrgänge vorhanden in Landesbibliothek Speyer.
9 Stempel, Hans: Mein guter Kamerad!, in: Wehrhaft und fromm. Blätter für deutsche Männer 1 (1935), S. 2f.
10 Zit. nach: Schunk, Protestanten ohne Protest, Band 2, a.a.O., S. 798.
11 Zur Tätigkeit 1938 bis Kriegsende vgl. Zentralarchiv der Evangelischen Kirche der Pfalz (ZASP) Abt. 8 Nr. 316, Jahresberichte 1938–1941; zur Betreuung der Internierten vgl. Erich Schunk, »Christliche Verkündigung im Zeichen des Kampfes«. Der Landauer Protestantismus im Dritten Reich, in: Stadt Landau in der Pfalz (Hg.), Landau und der Nationalsozialismus, Ubstadt-Weiher 2013, S. 357–383, hier S. 381f. auch: ZASP, Abt. 8, Nr. 316: Jahresbericht Landau 1945.
12 Landesarchiv Speyer H91, 6172, Bl. 26; ZASP Abt. 2, Nr. 3893 Bd. 1, Entscheid der Zweiten Spruchkammer.
13 Zentrale Stelle der Justizverwaltungen, III-54-271, Bayerisches Landesamt für Verfassungsschutz, 03.11.1964, an das Bayerische Landeskriminalamt.
14 1992 wurde der Sitz nach Wuppertal verlegt. 1993/1994 kam es zu einer politischen Debatte im Bundestag über die Gemeinnützigkeit des Vereins und zu einer Prüfung durch die Finanzbehörden. Erst im November 1999 entschied der Bundesfinanzhof, dass der „Stillen Hilfe“ die „Gemeinnützigkeit“ abzuerkennen ist.
15 Arbeit im Verborgenen – Die NS-Hilfeorganisation „Stille Hilfe“. Michael Quelle. In: www.michael-quelle.de. Abgerufen am 23.05.2023.
16 Williams, Nicholas John: „Die Gefangenen leiden sehr unter ihrer Lage“. Die Betreuung deutscher NS-Täter durch Hans Stempel und Theodor Friedrich. Stuttgart 2023. S. 83. zit. als Williams, 2023.
17 Williams, ebd., S. 91ff.
18 Williams, ebd., S. 100-105, zu Ehrenpräsident Albert Schweitzer.
19 Durch Erbschaften und durch regelmäßige Spenden verfügte der Verein seit Gründung durchgängig über beträchtliche Geldmittel. Siehe auch Schröm, Oliver/Röpke, Andrea: Stille Hilfe für braune Kameraden: Das geheime Netzwerk der Alt- und Neonazis. Ein Inside-Report. Berlin 2012. Auch: Williams, 2023, S. 90f.
20 Williams, ebd., S. 55f.
21 Bohr, Felix: Barmherzigkeit für Massenmörder. In: Der Spiegel, 18.10.2018. https://www.spiegel.de/geschichte/ns-verbrecher-die-barmherzige-hilfe-der-kirchen-a-1233489.html?sara_ref=re-em-em-sh, abgerufen am 04.06.2023.
22 Mit Otto Bickenbach war Hans Stempel freundschaftlich verbunden. Nicht nachvollziehbar bleibt der fortdauernde Versuch Stempels, die unmenschlichen medizinischen Versuche, die Bickenbach durchführte, zu rechtfertigen. Vgl. Stüber, Gabriele, Lauer, Christine: Schuld, Vergebung, Versöhnung. Hans Stempel und sein Einsatz für NS-Täter, 1945–1970, in: Williams, Picker, a.a.O., S. 63f. Auch: Ungezügelte Bosheit. In: Der Spiegel, 14.11.1983. S. 86-90.
23 Vgl. Metzinger, Adalbert: SS-Sturmbannführer Alois Knäbel: Vom Bauernsohn zum Kriegsverbrecher. In: Täter, Helfer, Trittbrettfahrer. In: Proske, Wolfgang (Hg.): Band 7: NS-Belastete aus Nordbaden und Nordschwarzwald, Gerstetten 2017.
24 Stüber/Lauer, a.a.O., S. 63f.
25 Stempel, Hans: Rechenschaftsbericht vom 25.06.1962. In: Verhandlungen der Landessynode der Vereinigung Protestantisch-Evangelischen christlichen Kirchen der Pfalz, Grünstadt 1962. S. 10-11ff.
26 Williams, 2023, S. 118.
27 Vgl. Williams, 2023, S. 47.
28 Williams, ebd., S. 150. Auch: Vollnhals, Clemens: Evangelische Kirche: Ein Herz für Täter. In Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 03.10.2022.
29 Bohr, Felix: Die Kriegsverbrecherlobby. Bundesdeutsche Hilfe für im Ausland inhaftierte NS-Täter. Berlin 2018. S. 367ff.
30 Kreuter, Marie-Luise: Juden in Landau – Landauer Juden. Zur Geschichte einer Minderheit und ihrer christlichen Nachbarn.“ Landau 2022. S. 804ff.
31 Siehe Sitzungsvorlage des Stadtarchivs Landau vom 07.04.2022
32 Schunk, Protestanten ohne Protest, Band 2, a.a.O., S. 798.