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Rathaus 2 © Rolf H. Epple Stadt Landau
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Hindenburgstraße

Benennung: 10.07.1928

Begründung: Ehrung der beiden Reichspräsidenten in der Weimarer Republik (gleichzeitige Benennung der Friedrich-Ebert-Straße)

Ehrenbürgerschaft April 1933, aberkannt am 17.03.2020

Grundlage der kritischen Untersuchung

Multiplikator der „Dolchstoßlegende“, antidemokratische Grundhaltung, Anbiederung an Nationalsozialismus

Ergebnis: Berufliche und politische Biografie erheblich belastet

Vorschlag der Verwaltung 2022: Umbenennung der Hindenburgstraße

Stadtratsbeschluss 2024: Umbenennung der Hindenburgstraße in „Am Zoo“

Bürgerentscheid 2025: Beibehaltung des Straßennamens und öffentliche Kontextualisierung

Paul von Hindenburg

*02.10.1847 Posen; †02.08.1934 Gut Neudeck, Ostpreußen

Militär, Politiker, Reichspräsident

Politische Vita:

Nachdem Hindenburg bereits 1911 in den Ruhestand verabschiedet worden war, wurde er 1914 reaktiviert und zum Oberbefehlshaber der 8. Armee in Ostpreußen ernannt.

Dort schlug er dank des strategischen Talents seines Mitarbeiters Erich Ludendorff die russische Armee in einer später zum politischen Mythos („Tannenberg“) verklärten Schlacht zurück.

Ab 1916 übernahm er mit Ludendorff die Oberste Heeresleitung (OHL) und trug damit an maßgeblicher Stelle Mitverantwortung für Entscheidungen wie den uneingeschränkten U-Bootkrieg 1917 (der zum Kriegseintritt der USA führte), die abgelehnte Initiative für einen Verständigungsfrieden des Deutschen Reichstags (1917) oder den harten Gewaltfrieden von Brest-Litowsk.

Nach dem Krieg propagierte Hindenburg in einem Untersuchungsausschuss des Reichstags ebenso wie in seinen Memoiren die sogenannte „Dolchstoßlegende“, die die Schuld für die eigentlich von der OHL militärisch verursachte Niederlage auf Sozialdemokraten und andere demokratische Politiker abwälzen wollte.

Diese maßgeblich von Hindenburg in die Welt gesetzte Legende wurde zu einer der wichtigsten Propagandaparolen der antidemokratischen und antisemitischen Kräfte, die gegen die Weimarer Republik kämpften.

Von 1919 bis 1925 war Hindenburg erneut im Ruhestand und wurde nach einem ergebnislosen ersten Wahlgang zur Reichspräsidentenwahl von rechten Parteien als Kandidat nominiert, demokratisch gewählt und am 12. Mai 1925 vereidigt.

Obwohl er überzeugter Monarchist war, hielt er sich zunächst an die Reichsverfassung, hintertrieb aber alle Ansätze, seine Machtbefugnis aus Artikel 48 einzuschränken.

Ab 1930 regierten im Deutschen Reich von Hindenburg persönlich abhängige Reichskanzler (Brüning, Papen, Schleicher) unter Berufung auf diesen Artikel 48.

Als der Reichstag 1930 die von Hindenburg gegengezeichneten Notverordnungen Brünings aufheben wollte, löste dieser das Parlament auf, bei den Neuwahlen erhielten die demokratischen Parteien keine Mehrheit mehr.

Nach zwei erneuten Reichstagswahlen 1932 war eine Regierungsbildung ohne die Nationalsozialisten und die DNVP [Deutschnationale Volkspartei] nicht mehr möglich.

Als auch General Schleichers kurze Kanzlerschaft gescheitert war, ernannte Hindenburg am 30. Januar 1933 Adolf Hitler zum Reichskanzler.

Nur zwei Tage später, am 1. Februar 1933, unterschrieb Hindenburg die erneute Auflösung des Reichstags, weitere zwei Tage später aber auch die „Verordnung zum Schutze des Deutschen Volkes“ und damit die Einschränkung der Versammlungs- und Pressefreiheit sowie die sogenannte „Reichstagsbrandverordnung“, die wesentliche Grundrechte der Verfassung aushebelte (Meinungsfreiheit, Brief- und Fernmeldegeheimnis etc.) und willkürliche Verhaftungen politischer Gegner der Nationalsozialisten ermöglichte.

Noch wichtiger wurde dann das ebenfalls von Hindenburg unterzeichnete Ermächtigungsgesetz, mit dem die Regierung Hitler nun unabhängig vom Reichstag Gesetze erlassen konnte. Bis zu seinem Tod spielte Hindenburg dann in der Politik keine bedeutende Rolle mehr.

Fazit

  1. Bereits die faktische Herrschaft der OHL unter Hindenburg und Ludendorff wird von Historikern als „Militärdiktatur“ bezeichnet, die die meisten politischen Entscheidungen autonom traf und dabei weder die Mehrheiten im Reichstag noch die Meinung des Kaisers berücksichtigte.
  2. Als OHL verhinderten sie ein früheres Kriegsende und waren entschiedene Gegner des vom Reichstag geforderten Verständigungsfriedens.
  3. Mit der „Dolchstoßlegende“ befeuerte Hindenburg die Mobilisierung der antidemokratischen Kräfte gegen die Weimarer Republik.
  4. Die zentrale Rolle Hindenburgs bei der Auflösung der Weimarer Republik und dem Brückenschlag zur Diktatur sind unübersehbar und eindeutig belegt: Obwohl sich Hindenburg lange an die Weimarer Verfassung hielt, muss er als Antidemokrat bezeichnet werden: Statt die Bildung einer Reichstagskoalition abzuwarten, ernannte er 1930 eigenmächtig Brüning zum Reichskanzler, der, auf Hindenburgs Vertrauen gestützt, unabhängig vom Parlament mit Notverordnungen regierte.
  5. Hindenburg nutzte mit Artikel 48 die Schwächen der Weimarer Reichsverfassung und löste 1932 den Reichstag auf, womit er erneut entscheidend zur Radikalisierung der Politik beitrug.
  6. Besonders schwerwiegend waren die Berufung Adolf Hitlers zum Reichskanzler und die nachfolgende Unterstützung durch Hindenburg.
  7. Als Reichspräsident hätte er die Verordnungen und das Ermächtigungsgesetz nicht unterzeichnen dürfen, die die freiheitlichen und demokratischen Grundrechte der Verfassung aufhoben und die nationalsozialistische Diktatur erst ermöglichten.
  8. Auch, wenn in Landau die Hindenburgstraße bereits 1928 eingeführt wurde, zu einer Zeit, in der die beiden Reichspräsidenten der Weimarer Republik geehrt werden sollten (gleichzeitig wurde auch die Friedrich-Ebert-Straße benannt), können nicht einzelne Etappen des politischen Wirkens von Hindenburg als Legitimation einer Beibehaltung des Namens angeführt werden.
  9. Diese Trennung übersieht die Vielschichtigkeit des „Hindenburg-Mythos“, der 1933 zur Etablierung und Rechtfertigung der NS-Diktatur eingesetzt wurde.
  10. Eine Differenzierung zwischen „dem Hindenburg“ von 1914 oder 1928 und dem von 1933, die im Nachhinein vorgenommen wurde, würde gerade diese verhängnisvolle Rolle, die der „Hindenburg-Mythos“ 1933 spielte, übersehen.
  11. Die Geschichtswissenschaft ist sich über die Rolle Hindenburgs im 20. Jahrhundert weitgehend einig. Der „Mythos Hindenburg“, den er selbst beförderte, wirkt indessen in der deutschen Öffentlichkeit nach.

Literatur

Abschlussbericht der Kommission zur Überprüfung der Freiburger Straßennamen, Anlage 2 zur DRUCKSACHE G-16/212.

Pytta, Wolfram: Hindenburg. Herrschaft zwischen Hohenzollern und Hitler. München 2007.

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