Benennung: 03.04.1928
Begründung: „Die Bedeutung Jahns für die Stärkung des deutschen Volkstums und die
körperliche Ertüchtigung des deutschen Volkes soll infolge einer Entschließung (…) auch eine Straße nach dem Turnvater Friedrich Ludwig Jahn (…) erfolgen.“
Grundlage der kritischen Untersuchung: Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus
Ergebnis: Biografie teilweise belastet
Stadtratsbeschluss 2025: öffentliche Kontextualisierung vor Ort
Friedrich Ludwig Jahn
*11. 08.1778 in Lanz (Prignitz); †15.10.1852 in Freyburg (Unstrut))
Pädagoge, Freiheitskämpfer und Gründer der deutschen Turnbewegung
Fazit
- Jahn gründete 1810 in Berlin einen geheimen Bund zur Befreiung und Einigung Deutschlands, die erste Turnerschaft, und engagierte sich dann als Kämpfer des Lützowschen Freikorps im Krieg gegen Napoleon.
- Mit den Karlsbader Beschlüssen wurde die nationale Turnbewegung verboten, Jahn wurde für fünf Jahre inhaftiert, später vom preußischen König Friedrich Wilhelm IV. aber rehabilitiert und die Turnsperre aufgehoben. Als Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung setzte er sich für ein preußisches Erbkaisertum ein.
- Jahn war ein herausragender Vertreter der antinapoleonischen Bewegung und etablierte sich als „Franzosenhasser“.
- Damit verbunden war die Entwicklung eines nationalen Pathos mit der Pflege germanischer Namen und strikter Ablehnung der französischen Sprache.
- Die Auflehnung gegen die napoleonische Fremdherrschaft sollte über die massive Stärkung der körperlichen Konstitution der Jugend erfolgen.
- Obwohl von den Monarchen der Restauration politisch verfolgt, wurde Jahn ab dem Kaiserreich als deutscher Freiheitskämpfer und als Gründer der deutschen Turnbewegung verehrt, viele Sportanlagen, Straßen und Schulen wurden nach ihm benannt sowie Denkmäler ihm gewidmet.
- Er gilt als einer der ersten, der eine biologische Vorstellung von Volk entwickelte. Er wurde damit – ohne dies selbst absehen oder verhindern zu können – zu einem völkischen Vordenker der nationalsozialistischen Politik der sogenannten „völkischen Blutreinheit“.
- Jahn wurde im Nationalsozialismus heroisiert und idealisiert. Dabei ist eine Konzentration auf den „männlichen, kraftvollen, aber auch gebildeten Kriegshelden“ zu beobachten.
- 2013 wurde er in die 'Hall of Fame' der Stiftung Deutsche Sporthilfe aufgenommen.
- Diese Ehrungen Jahns werden aufgrund seiner nationalistischen und antisemitischen Einstellungen kritisiert und sollten kontextualisiert werden.
Literatur
Bergmann, Werner: Jahn, Friedrich Ludwig. In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Handbuch des
Antisemitismus. Band 2/1, Personen A–K. Berlin 2009, S. 403–406.
Wellner, Karoline: Der „Turnvater“ in Bewegung. Die Rezeption Friedrich Ludwig Jahns
zwischen 1933 und 1990. Dissertation. München 2008