Die Kreisverwaltungen Germersheim und Südliche Weinstraße sowie die Stadtverwaltung Landau laden gemeinsam mit den Gleichstellungsbeauftragten der Südpfalz zu einer Veranstaltungsreihe gegen Gewalt an Frauen und ihren Kindern ein. Vom 10. bis zum 25. November 2026 finden drei Veranstaltungen statt: eine Lesung in Kandel, eine Präventionsaktion an der Universität Germersheim sowie ein zentraler Aktionstag mit Keynote und Podiumsdiskussion im Alten Kaufhaus Landau. Geboten werden persönliche Geschichten, Aufklärung über Gefahren wie K.O.-Tropfen, Einblicke in die regionale Beratungs- und Schutzarbeit sowie konkrete Hinweise darauf, wo Betroffene und ihr Umfeld Hilfe finden.
Mit der Reihe bündeln die Gleichstellungsstellen beider Landkreise und der Stadt Landau erneut ihre Kräfte in einem gemeinsamen regionalen Bündnis. Ziel ist, Gewalt gegen Frauen sichtbar zu machen, Betroffenen den Zugang zu Unterstützung zu erleichtern und das Thema dauerhaft in der Öffentlichkeit zu verankern. Die Veranstaltungen richten sich ausdrücklich an alle Bürgerinnen und Bürger – denn Hinsehen, Zuhören und Weitervermitteln können Leben schützen. Landrat Martin Brandl (Kreis Germersheim), Landrat Dietmar Seefeldt (Südliche Weinstraße) und Landaus Oberbürgermeister Dominik Geißler erklären gemeinsam: „Gewalt gegen Frauen und Kinder darf nicht verschwiegen werden. Mit dieser Veranstaltungsreihe zeigen wir, dass die Südpfalz nicht wegschaut, sondern Verantwortung übernimmt. Wir vernetzen Akteure, machen Hilfsangebote bekannt und stärken Betroffene sowie die Menschen in ihrem Umfeld. Das ist ein konkreter Schritt auf einem Weg, den wir gemeinsam weitergehen wollen – damit Schutz, Beratung und Unterstützung für alle besser erreichbar werden.“
Auftakt mit Lesung in Kandel
Den Auftakt bildet am Dienstag, 10. November 2026, eine Lesung in der Stadthalle Kandel. Die Autorin Rukiye Cankiran liest ab 19 Uhr aus ihrem Buch „Genau hier werde ich dich aufhängen! Geschichten über Frauen und Gewalt“. Ihre Texte machen Erfahrungen von Betroffenen hörbar, brechen das Schweigen und zeigen, wie wichtig gesellschaftliche Aufmerksamkeit und professionelle Hilfe sind. Der Einlass beginnt um 18.30 Uhr, der Eintritt ist frei. Um eine vorherige Anmeldung unter gsb@suedliche-weinstrasse.de wird gebeten.
Aufklärung für junge Menschen
Am Freitagvormittag, 13. November 2026, steht für die Studierenden der Uni in Germersheim das Thema Prävention im Mittelpunkt. Die Gleichstellungsbeauftragten Isa Stähle (SÜW), Laura Hess (LD) und Lisa-Marie Trog (GER) informieren gemeinsam mit dem AStA und pro familia an der Universität über die Gefahren von K.O.-Tropfen – es gibt Informationsmaterialien und auch Getränkeschutzdeckel. Die Aktion richtet sich besonders an junge Studierende und vermittelt, wie man sich und andere schützen, Warnsignale erkennen und im Notfall richtig handeln kann. Die Veranstaltung wird von der Stiftung der Sparkasse Südpfalz unterstützt.
Gemeinsamer Aktionstag in Landau
Den Abschluss bildet der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen am Mittwoch, 25. November 2026, im Alten Kaufhaus in Landau. Ab 18 Uhr ist Einlass, um 19 Uhr beginnt die Veranstaltung. Bestseller-Autorin, Unternehmerin und Menschenrechtsverteidigerin Kristina Lunz hält eine Keynote zu gesellschaftlichen Ursachen und wirksamen Gegenstrategien. Im Anschluss diskutieren regionale Fachfrauen aus der Beratungs-, Schutz- und Gleichstellungsarbeit über konkrete Hilfewege aus der Gewalt. Der Eintritt ist frei.
Neue Bündnisse
Neu ist in diesem Jahr die „Service-Alliance“: Sechs Service-Clubs der Region – der Zonta Club Bad Bergzabern, der Zonta Club Speyer-Germersheim, der Lions Club Landau-Südpfalz, der Lions Club Bad Bergzabern, der Soroptimist International Club Landau/Pfalz und der Agora Club Tangent 46 Südliche Weinstraße – haben sich erstmals mit den regionalen Gleichstellungs- und Fachstellen zusammengeschlossen. Durch gebündelte Netzwerke und Reichweite soll das Thema stärker in die Öffentlichkeit getragen und die Zusammenarbeit zwischen Zivilgesellschaft, Verwaltung und Fachberatung gestärkt werden.
Gedenken und Mahnung: Veranstaltung am 2. Dezember in Klingenmünster
Weiter weisen die Gleichstellungsbeauftragten auf die Veranstaltung „Erinnern ist nicht nur ein Blick zurück, sondern auch ein Blick in die Zukunft“ des Pfalzklinikums für Psychiatrie und Neurologie hin. Im Rahmen der Orange Days lädt die Gedenkarbeit und die Gleichstellung des Pfalzklinikums zu einem wichtigen Blick in die Geschichte ein. Im Mittelpunkt steht das Schicksal von Frauen und Mädchen in der NS-Psychiatrie – Frauen, denen Gewalt angetan wurde und denen Selbstbestimmung und Würde genommen wurden. Stellvertretend steht dafür das Schicksal von Juliane H., einer 31-jährigen ledigen Dienstmagd, für deren Zwangssterilisation die Anstaltsleitung am 14. November 1934 den Antrag stellte. Zwangssterilisationen geschahen dabei nicht im Verborgenen: Sie waren institutionell organisiert, medizinisch legitimiert und gesellschaftlich getragen. Gerade deshalb ist Erinnern heute Pflicht. Die Veranstaltung findet am Mittwoch, 2. Dezember 2026, statt; der offizielle Teil beginnt um 17.30 Uhr im Alleehaus, Gebäude 43, Weinstraße 100 in Klingenmünster. Die Ausstellung „NS-Psychiatrie in der Pfalz“ ist an diesem Tag zusätzlich von 14.30 bis 16 Uhr sowie von 17 bis 19 Uhr geöffnet.
Die Gleichstellungsbeauftragten laden alle Bürgerinnen und Bürger ein, an diesen Veranstaltungen teilzunehmen, um gemeinsam Haltung zu zeigen und Betroffenen den Rücken zu stärken.
Hilfe im Notfall
Wer selbst von Gewalt betroffen ist oder im eignen Umfeld Menschen vermutet, die in Notlagen sind, kann sich vertraulich an folgende Anlaufstellen wenden:
Gleichstellungsstelle Landkreis Germersheim, Lisa-Marie Trog: 07274 531109
Gleichstellungsstelle Stadt Landau, Laura Hess: 06341 131080
Gleichstellungsstelle Landkreis Südliche Weinstraße, Isabelle Stähle: 06341 940120
Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen: 116 016
Frauenhaus Südpfalz: 06341 89626, Notfall-Handy: 0170 8341889
Interventionszentrum für häusliche Gewalt Südpfalz: 06341 381922
Frauenhaus Speyer: 06341 83437
Frauen*Zentrum Aradia e. V.: 06341 83437
Weisser Ring e. V.: 07272 7403731 oder 0173 9899472
Polizei: 110