Wie können Städte grüner werden und sich besser gegen die Folgen des Klimawandels wappnen? Mit dieser Frage beschäftigt sich das europäische Projekt „LiveableCities“, an dem sich die Stadt Landau und die Rheinland-Pfälzische Technische Universität Kaiserslautern-Landau (RPTU) gemeinsam beteiligen. Für ihre Arbeit im Projekt erhalten beide Partner insgesamt 119.000 Euro vom Land Rheinland-Pfalz. Daniel Stich, Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Tourismus, Energie und Klima Rheinland-Pfalz, hat den Förderbescheid kürzlich im Empfangssaal des Landauer Rathauses überreicht.
„Lebenswerte Städte entstehen dort, wo wir Klimaschutz, Artenvielfalt und eine hohe Aufenthaltsqualität zusammendenken. Europäische Kooperationen bieten dafür wertvolle Impulse und konkrete Lösungsansätze. Mit unserer Kofinanzierung helfen wir dabei, dass auch Kommunen, die finanziell weniger Spielraum haben, von diesen Chancen profitieren und innovative Ideen vor Ort umsetzen können“, sagte Staatssekretär Daniel Stich.
Bürgermeister Lukas Hartmann freut sich über die Unterstützung des Landes: „Wir wollen unsere Quartiere grüner und auch an heißen Tagen lebenswert gestalten. Gemeinsam mit der RPTU und unseren europäischen Partnerstädten können wir wissenschaftliche Erkenntnisse nutzen, voneinander lernen und konkrete Lösungen für Landau entwickeln. Wir sind dem Land dankbar, dass es uns dabei unterstützt, dieses wichtige Projekt auf den Weg zu bringen.“
Das Projekt „LiveableCities“ bringt dreizehn Partner aus sechs europäischen Ländern zusammen. Neben Landau gehören unter anderem Straßburg in Frankreich, Cork in Irland, Antwerpen in Belgien, Saarlouis im Saarland und Utrecht in den Niederlanden zum beteiligten Städtenetzwerk. Gemeinsam wollen die Partner Lösungen für Herausforderungen entwickeln, die viele Städte kennen: versiegelte Flächen, Luftverschmutzung, schwindende Artenvielfalt und die zunehmende Belastung durch Hitze und Starkregen. Ein wichtiger Ansatz ist dabei die sogenannte blau-grüne Infrastruktur. Dazu gehören beispielsweise Bäume, Grünflächen und begrünte Dächer ebenso wie natürliche Wasserelemente und Flächen, auf denen Regenwasser versickern kann. Solche Maßnahmen können Städte abkühlen, Lebensräume für Tiere und Pflanzen schaffen und helfen, Regenwasser besser zurückzuhalten.
In Landau setzen Stadt und RPTU gemeinsam zwei konkrete Pilotmaßnahmen um. Die städtische Klimastabsstelle koordiniert die Projektarbeit aufseiten der Stadt. Im „Klimaviertel Horst“ soll ein Konzept für ein stadtweites Grünnetz entwickelt werden. Dazu gehören beispielhafte Maßnahmen für mehr blau-grüne Infrastruktur und die Umgestaltung ausgewählter Straßenräume. In der Südstadt geht es darum, Möglichkeiten für Entsiegelung und Begrünung zu untersuchen. Die RPTU begleitet die Arbeiten wissenschaftlich und führt dazu Untersuchungen vor Ort durch.
„Die Zusammenarbeit von Stadt und Wissenschaft ist eine große Chance, um Klimaanpassung nicht nur theoretisch zu betrachten, sondern konkrete und übertragbare Lösungen zu entwickeln. Wir wollen untersuchen, wie sich blau-grüne Infrastruktur unter den besonderen Bedingungen bestehender Stadtquartiere umsetzen lässt“, sagt Prof. Dr.-Ing. Wilko Manz vom Fachgebiet Mobilität und Verkehr des Fachbereichs Bauingenieurwesen an der RPTU.
Neben den konkreten Maßnahmen vor Ort spielt auch der Wissenstransfer eine wichtige Rolle: Im Rahmen des Projekts sollen mehr als 190 Menschen aus Verwaltung, Wissenschaft und Zivilgesellschaft qualifiziert werden. Die Partner wollen ihre Erfahrungen austauschen und Erkenntnisse so aufbereiten, dass sie auch für andere Städte nutzbar sind.
Das Projekt läuft seit Ende 2025 und bis 2029. Die europäische Förderung im Rahmen des Interreg-B-Programms Nordwesteuropa deckt regulär 60 Prozent der förderfähigen Projektkosten ab. Mit der zusätzlichen Landesförderung wird die Finanzierung der Teilnahme für die Projektpartner erleichtert. So unterstützt Rheinland-Pfalz nicht nur konkrete Maßnahmen zur Klimaanpassung, sondern auch die europäische Zusammenarbeit zwischen Kommunen und Wissenschaft.