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Rathaus 2 © Rolf H. Epple Stadt Landau
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16.02.2024

Landauer Leute: Wieder Reichsstadt: Maximilian I.

Eine Stadt feiert: Vor 750 Jahren, am 30. Mai 1274, erhielt die Stadt Landau aus den Händen des damaligen Königs Rudolf I. die Rechte einer Stadt. Ein ungemein wichtiger Meilenstein, den das Landauer Stadtarchiv zum Anlass für eine historische Zeitreise nimmt. Stadtarchivarin Christine Kohl-Langer und ihre Mitarbeitenden stellen jede Woche eine von insgesamt 52 Biografien von Landauerinnen und Landauern vor und werfen so spannende Schlaglichter auf 750 Jahre Stadtgeschichte, vom Mittelalter bis in die Neuzeit. Heute: Maximilian I.

Raus aus der Abhängigkeit, das war das Ziel der Landauer, das sie mithilfe von Kaiser Maximilians I. verfolgten: Seit 1324 war die Stadt an den Speyerer Bischof verpfändet. Nun hoffte man bei einem Besuch des Kaisers in der Stadt auf einen Wendepunkt für die Unabhängigkeitsbestrebungen.

Am 24. April 1508 rückte der hohe Besuch an. Seine Ankunft in der Stadt war spektakulär. Der Kaiser wurde begleitet von einem großen Gefolge, im Schlepptau 400 Pferde. Der Rat und die Bürger empfingen ihn voller Freude. Untergekommen war Maximilian I. im Helmstädter Hof, in der heutigen Königstraße 64. Einige der adligen Herren von Helmstatt hatten das Amt des Speyerer Bischofs inne und waren somit kirchliche Oberhäupter und Pfandinhaber der Stadt. Am selben Abend brachte der Rat noch Wein und Hafer in den Gasthof. Das Ritual der Verehrung hoher Persönlichkeiten gebührte natürlich auch dem Kaiser, denn er sollte vor der morgigen Besprechung positiv gestimmt sein.

In der folgenden Audienz hörte Maximilian sich das Anliegen der Landauer an. Sie beklagten vor allem die regelmäßigen Streitereien mit dem Bistum.

Der Kaiser versprach sein Engagement in dieser Sache zu Gunsten Landaus. Und tatsächlich schien er etwas in Bewegung zu setzen. Die offizielle Aufhebung der Pfandschaft gelang jedoch erst ganze sechs Jahre später. Die Stadt musste zuerst den Betrag von 15.000 Gulden (heute circa 350.000€) aus Eigen- und Reichsmitteln zahlen. Zwar stand es um die städtische Finanzen recht gut, dieser Betrag ließ sich jedoch ohne eine zusätzliche Besteuerung der Einwohner nicht aufbringen. Der Rat empfahl nun die Aufnahme von zehn jüdischen Familien, die jährlich 300 Gulden „Schutzgeld“ einbringen sollten. Die Landauer Zünfte stimmten dem zu – ein weiteres Beispiel dafür, dass die Aufnahme jüdischer Familien stets finanzpolitischer Erwägungen zugrunde lag.

Der Kaiser selbst steuerte von dem Gesamtbetrag gerade mal 1.000 Gulden bei. Für seine Verschuldungen und seinen prunkhaften Lebensstil war er bekannt, die Stadt konnte nicht mit mehr finanzieller Unterstützung rechnen. Dafür erhielt die Stadt pfandweise alle dem Reich zustehenden Privilegien.

In einer Urkunde vom 13. Januar 1512 bestätigte nun Kaiser Maximilian, dass die „Stadt Landaw“ dem elsässischen Zehn-Städte-Bund angehören sollte. Kaiser Karl V., der Nachfolger Maximilians, bestätigte 1521 die Zugehörigkeit Landaus zur kaiserlich-habsburgischen Landvogtei im Elsass. Diesem Bund gehörten u.a. auch unsere Partnerstadt Haguenau an.

Maximilian I. konnte somit einen Grundstein für die anbrechende Neuzeit in der Stadt legen. Denn die städtische Unabhängigkeit, sei es finanzieller, sei es rechtlicher Natur, war zu einer Zeit im Umbruch äußerst wertvoll.

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