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Rathaus 2 © Rolf H. Epple Stadt Landau
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23.02.2024

Landauer Leute: Verklagt, verbannt, vernetzt: Johannes Bader

Eine Stadt feiert: Vor 750 Jahren, am 30. Mai 1274, erhielt die Stadt Landau aus den Händen des damaligen Königs Rudolf I. die Rechte einer Stadt. Ein ungemein wichtiger Meilenstein, den das Landauer Stadtarchiv zum Anlass für eine historische Zeitreise nimmt. Stadtarchivarin Christine Kohl-Langer und ihre Mitarbeitenden stellen jede Woche eine von insgesamt 52 Biografien von Landauerinnen und Landauern vor und werfen so spannende Schlaglichter auf 750 Jahre Stadtgeschichte, vom Mittelalter bis in die Neuzeit. Heute: Johannes Bader.

Johannes Bader, ein Pionier der Reformation, manifestierte den evangelischen Glauben in Landau. 1518 wurde er als Pfarrer an die Stiftskirche in Landau berufen. Diese Stelle trat er dann 1520 nach einem Studium in Heidelberg an, und zwei Jahre später trat er bereits offen gegen die Missstände innerhalb der katholischen Kirche auf.

Es entstand eine neue religiöse Ausrichtung, die viele Anhänger fand – allen Widrigkeiten zum Trotz. Überzeugt von den Ideen Luthers wird Bader auf Anlass des Speyerer Bischofs verklagt. Der Vorwurf: ignorieren der kirchlichen Lehrmeinung sowie Lehre und Predigt von Gegenteiligem, und man schien um das christliche Glaubensmonopol zu bangen. Bader ließ dieses Urteil nicht auf sich beruhen und protestierte. Letzten Endes bestand seine Strafe darin, nur noch das Evangelium predigen zu dürfen. Sofern dies für einen Verfechter des Protestantismus eine Strafe darstellte. Denn ihm ging es ja eben darum, das Evangelium in seinem ursprünglichen Sinne zu predigen. Bader prangerte in den Gottesdiensten immer und immer wieder die Missstände in der Kirche und in Landau an. Nach einigen Konflikten belegte man ihn 1524 schließlich mit dem Bann. Doch Bader wurde trotz seiner Gegner von der eigenen Stadt unterstützt: Landau hielt zu ihm und förderte die Reformation. Und das war gut für die Entwicklung der urbanen Strukturen in der Stadt. Denn kirchliche und religiöse Auffassungen sind grundlegende Teile einer Stadtbevölkerung. Sie stiften Identifikation und wirken untereinander verbindend. Nur durch Toleranz und Offenheit konnte Landau funktionieren. 

Neben der Gestaltung von reformatorischen Abendmahlsfeiern war der Reformator ein fleißiger Chronist. Sein katechetisches „Gesprächsbüchlein“ von 1526 war zeitlich sogar dem Katechismus Martin Luthers voraus.

Bader verbrachte ebenso viel Zeit mit Briefeschreiben. Er pflegte ein großes soziales Netzwerk, das aus bedeutenden Reformatoren bestand. Eine davon war Katharina Zell aus Straßburg.

Frauenfiguren spielten in der Reformationsgeschichte nur selten eine Rolle, zumindest wird das durch die Quellen vermittelt. Jedoch muss auch Frau Bader, die Gattin Johann Baders, keine unwichtige Stellung in der Reformationssache eingenommen haben. Schließlich bekam sie nach dessen Tod am 16. August 1545 das Haus von der Stadt geschenkt. Und trotzdem stehen wir vor der misslichen Lage, nur in krisenbehafteten Situationen etwas über Frauen in der Geschichte zu erfahren.

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