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Rathaus 2 © Rolf H. Epple Stadt Landau
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02.02.2024

Landauer Leute: Fremd in der Stadt? Neiher und Selkint Nase

Eine Stadt feiert: Vor 750 Jahren, am 30. Mai 1274, erhielt die Stadt Landau aus den Händen des damaligen Königs Rudolf I. die Rechte einer Stadt. Ein ungemein wichtiger Meilenstein, den das Landauer Stadtarchiv zum Anlass für eine historische Zeitreise nimmt. Stadtarchivarin Christine Kohl-Langer und ihre Mitarbeitenden stellen jede Woche eine von insgesamt 52 Biografien von Landauerinnen und Landauern vor und werfen so spannende Schlaglichter auf 750 Jahre Stadtgeschichte, vom Mittelalter bis in die Neuzeit. Heute: Neiher und Selkint Nase.

Wir haben nur wenige Informationen zur mittelalterlichen Sozialstruktur. Immer wieder begegnen uns Juden in der aufstrebenden Stadtgesellschaft an der Queich. Die ersten namentlich erwähnten Juden sind das Ehepaar Neiher und Selkint Nase, die 1329 in der „oberen Judengasse“ mit zwei Häusern begütert waren. Möglich, dass die frühere „Große Judengasse“, die heutige Theaterstraße, mit der mittelalterlichen „Oberen Judengasse“, 1319 zum ersten Mal erwähnt, identisch ist. Auch dürfen wir uns dort kein jüdisches Getto vorstellen, vielmehr gibt es zahlreiche Belege dafür, dass in jenen Judengassen auch christliche Nachbarschaft ansässig war.

Das unzusammenhängende, in verschiedenen Archiven lagernde Schriftgut zur jüdischen Gemeinde im mittelalterlichen Landau, ergibt kein stringentes Bild. Wir können jedoch davon ausgehen, dass seit Mitte des 13. Jahrhunderts jüdische Familien in Landau lebten und arbeiteten, ihrem religiösen Ritus nachgehen konnten und eine nicht unerhebliche Steuerleistung aufzubringen vermochten. Als Händler und Kaufleute waren jüdische Stadtbewohner zwar willkommen, dennoch lebten die meisten Juden im Mittelalter stets in einem Spannungswechsel zwischen Duldung und Ausweisung und häufig genug in prekären Verhältnissen.

Wir wissen nicht, wie es dem Ehepaar Nase in der Stadt erging. Ob sie wohl die 20 Jahre später grassierende Pest in Landau erlebten? Auch über den lokalen Verlauf dieser Epidemie im Jahr 1349 wissen wir kaum etwas. In Speyer und Worms etwa, wurde der jüdischen Bevölkerung die Schuld an der Seuche zugeschoben, dort wurden sie verfolgt und aus den Städten zeitweise ausgewiesen. Nichts lässt vermuten, dass es in Landau anders gewesen sein sollte.

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