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Rathaus 2 © Rolf H. Epple Stadt Landau
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20.11.2020

Landau von oben: Die erste Zeppelin-Ladung auf dem Ebenberg

Der 3. September 1911 war für Landau ein großer Tag: Zum ersten Mal landete ein Zeppelin auf dem Ebenberg. Die Luftschiffe des Erfinders Ferdinand Graf von Zeppelin waren eine große Attraktion, die jede Stadt gerne für ihre Bevölkerung landen und starten ließ. Das Luftschiff L10 Schwaben, das an diesem Tag in Landau landete, war 140 Meter lang und brachte es auf ungefähr 75 Stundenkilometer.

Bright Affedi Awokou-Obobih, Bundesfreiwilligendienstleistender im Archiv und Museum der Stadt Landau, blickt auf diesen historischen Tag zurück.

Die Schwaben startet an jenem Morgen kurz vor 8 Uhr in Baden-Baden. An Bord ist Viktor Weiß, der Landauer Stadtrat, der dafür sorgte, dass die Landauer Bevölkerung nun ein besonderes Spektakel erleben kann.

Er war nicht nur einer der ersten Autofahrer der Region – der „Weiße Vickes“, wie er genannt wurde, hatte bereits ein Jahr zuvor eine Zeppelinfahrt mitgemacht. 1910 war er mit dem Nachfolger von Graf von Zeppelin, Hugo Eckener, über Mannheim unterwegs gewesen. In Landau zurück, gründete Weiß ein Komitee, um eines dieser neuartigen Luftschiffe in seine Heimatstadt zu holen.  

Nun ist alles bestens vorbereitet, als Viktor Weiß zum Start nach Baden-Baden fährt. Doch dort erwartet ihn eine schlechte Nachricht: Der Waggon mit Gas zum Befüllen des Luftschiffs ist versehentlich nach Potsdam geschickt worden. Weiß schreibt in seinen Erinnerungen: „Der schauderhafte Gedanke, dass vielleicht das Gas nicht rechtzeitig eintreffen würde, ließ mir die ganze Nacht keine Ruhe.“ Erst morgens um 4 Uhr wird das Gas angeliefert und es kann losgehen.

Es scheint die Sonne und es ist ein perfekter Tag für eine Luftreise. Viktor Weiß darf in der Führergondel Platz nehmen, „eine seltene Liebenswürdigkeit“, wie er betont.

Als man sich Landau nähert, bittet er darum, das Luftschiff quer über die Stadt fahren zu lassen: „Damit meine Mitbürger auch in den kleinsten Gassen sich das herrliche Schauspiel ansehen können. Es war 9:34 Uhr geworden und unter uns kam ein Eisenbahnzug herangesaust, es war herrlich mit anzusehen, wie sich alle Köpfe aus den Zugfenstern streckten und uns freudig zujubelten.“

Als das Luftschiff Schwaben den Ebenberg erreicht, stehen 50 Soldaten bereit, um die Haltetaue, die heruntergeworfen wurden, aufzufangen. Postautos bringen ab Haupt- und Westbahnhof die Schaulustigen im Pendelverkehr auf den Ebenberg. Tausende kommen zu Fuß. Auf dem Ebenberg haben sich mittlerweile über 25.000 Menschen eingefunden, um die Zeppelin-Landung beobachten zu können. Zwischen 50 Pfennige und 1,50 Mark kostet der Eintritt und die Brezel- und Limonadenverkäufer wittern das Geschäft ihres Lebens. Militärmusik unterhält die Menge.

An Bord des Luftschiffs geht es etwas luxuriöser zu. Hier werden laut Bordkarte Beluga-Kaviar, Straßburger Gänseleberpastete und 1907er Beckmann’s Moseltreppchen gereicht, wofür man allerdings auch ein zweimonatiges Facharbeitergehalt aufbringen muss. Am Nachmittag hebt das Luftschiff wieder ab und fährt zurück ins Badische.

Zum Glück hat der Landauer Fotograf Ludwig Bingenheimer zahlreiche Fotos geschossen, sodass wir einige Schnappschüsse im Stadtarchiv aufbewahren können.

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